Unsere Reise auf dem Segelschiff Noorderlicht im Juni 2016

Vom 6.-19. Juni 2016 fuhren wir mit dem Reiseveranstalter "birdingtours" und einer niederländischen Crew auf dem Zweimaster "Noorderlicht" an der Westküste Spitzbergens entlang.

Wir starteten in Spitzbergens Hauptstadt Lonyearbyen, fuhren durch den Forlandsundet nach Norden, zwischen verschiedenen kleineren Inseln hindurch bis ins Woodfjord hinein und erreichten mit der Insel Moffen unseren nördlichsten Punkt bei 80° Nord! (Das war sowohl der nördlichste Punkt der Reise wie auch unser persönlicher bisher nördlichster Punkt!)

Auf ähnlicher Route ging es zurück, in verschiedene Fjorde hinein, mit Halt in der "Wissenschaftlerstadt" Ny Alesund, die den Rekord der "nördlichsten ganzjährig bewohnten Siedlung der Welt" hält!


Zumeist fanden vormittags mehrstündige Landgänge statt, bei denen wir mit einem Zodiac-Schlauchboot vom Segelboot an Land übersetzten. Teilweise gab es einen weiteren Landgang am Nachmittag oder Abend, ansonsten war nachmittags Reisezeit. Nachts ankerten wir in einer ruhigen Bucht, bis auf 2-3 Ausnahmen, wo wir auch über Nacht Strecke machten.

Die Landschaft besteht vereinfacht gbetrachtet aus Bergen, Schnee bzw. (Gletscher-) Eis und Wasser - und erst bei näherem Hinsehen sind viele kleine Schätze zu entdecken: unterschiedliche Gesteine, verschiedenfarbige Flechten, kleinste Blüten und sogar winzige "Bäume", die Polarweiden.

Und natürlich die Tierwelt: einzigartig, wenn auch von ihrer Anzahl her überschaubar: eine Singvogelart (die Schneeammer), ein Huftier (das Spitzbergen-Rentier), ein Hundeartiger (der Polarfuchs)...

Die Ruhe und Reizarmut der Landschaft - sobald man die ersten neuen Eindrücke am Anfang verarbeitet hat und sich vieles wiederholt- trugen zu einer großen Entspannung und Entschleunigung bei. Und: die Sonne ging niemals unter!

Vor historischem Hintergrund gesehen hat Spitzbergen ebenfalls immer wieder verscheidenen Rollen gespielt:

Wir konnten noch verrostete Überreste einer geheimenn deutschen Wetterstation aus dem zweiten Weltkrieg besichtigen. Eine weitere Wetterstaion war so versteckt gewesen, dass sie in Vergessenheit geriet und die Besatzung dort erst viel später erfuhr, dass der Krieg bereits zu Ende war!

Spitzbergen war auch Ausgangsort verschiedenster und teils kurioser Expeditionen zum Nordpol. Erst 1926 war Roald Amundsen mit einem Luftschiff erfolgreich - der Anlegemast des Luftschiffs kann in Ny Alesund noch besichtigt werden!

Begeistert haben uns jedoch vor allem die Begegnungen mit den großen Säugetieren: wir sahen gleich zu Anfang einen Blauwal im Isfjord vor Longyearbyen, wir bekamen an verschiedenen Stellen insgesamt 6 Eisbären zu Gesicht und wurden aus ziemlich geringer Distanz von neugierigen Walrossen begutachtet.

Eine Eisbärenbegegnung rührte uns sehr und stimmte uns gleichzeitig sehr traurig: wir konnten das männliche, sehr abgemagerte Tier lange beobachten, wie es von einer Insel zu einer anderen schwamm, über einen Hügel und dann wieder die Küste entlang ging, sich schließlich dem Schiff gegenüber ans Ufer setzte und den Kopf senkte. So verharrte er kurz, ging dann weiter ans Ufer und wieder ins Wasser. Unser Guide ergänzte später, dass er in diesem Zustand zu dieser Zeit den Sommer wohl nicht überleben würde...

Das Meereis hatte sich in diesem Jahr besonders früh weiter nach Norden verschoben, so dass wenig Aussicht auf Nahrung, abgesehen von Vogeleiern und mit Glück irgendwelches Aas, besteht.

Positiv aufregend war dagegen die Annäherung von fünf Walrossen an den Strand, an dem wir gerade spazierten. Wir hatten sie schon von Weitem mit dem Fernglas beobachtet, wie sie immer näher heran geschwommen kamen. Schließlich waren sie teilweise nur mehr eine Armlänge entfernt, ohne geringste Zeichen von Aggression, sondern offensichtlich einfach neugierig! Fast unwirklich erschien uns diese "zeitlose" etwa halbe Stunde im Nachhinein, in der die massigen Tiere in unserer Nähe blieben, auf- und abtauchten, spielten, näher robbten und uns immer wieder neugierig und prustend beäugten.

 

 

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